MAZ-Gespräch mit der
SPD-Kreischefin Susanne Melior vom 12. Juni 2009
Das desaströse Abschneiden der Sozialdemokraten
bei den Europawahlen am
vergangenen Wochenende hat im SPD-Unterbezirk
Potsdam-Mittelmark Diskussionen
ausgelöst. Mit der Vorsitzenden
Susanne Melior , die auch die Kreistagsfraktion
führt und eine Erneuerung
ihres Landtagsmandats anstrebt, sprach
Hermann M. Schröder.
MAZ: Frau Melior, wie haben Sie das
schlechte Ergebnis aufgenommen?
Susanne Melior : Ich hatte keine Hoffnungen,
die enttäuscht worden sind. Ich
hatte allerdings gehofft, dass wir die
stärkste Macht werden, und dies ist uns
auch gelungen. Obwohl wir mit 1,8 Prozent
nicht viel zugelegt haben. Somit ist
Potsdam-Mittelmark einer von drei
Landkreisen, in denen die SPD vorn
liegt. Das spricht doch für das Engagement
der Partei hier vor Ort.
Wieso war die Wahlbeteiligung Ihrer
Meinung nach so gering, vor allem in
Brandenburg?
Melior: Sie ist gering, dennoch gab es in
Brandenburg auch da einen leichten
Anstieg. Knapp drei Prozent. Viele
Abgeordnete haben sich gekümmert und
Wahlkampf gemacht. Unser Kandidat
Norbert Glante ist viel unterwegs gewesen
in Schulen und Vereinen und hat vor
allem für die Europawahl an sich Werbung
gemacht und gesagt, Leute, geht
wählen. Das Ergebnis ist aber nicht
zufriedenstellend, auch nicht für die
SPD, obwohl wir ja im Land Brandenburg
mit einem blauen Auge davongekommen
sind. Das ist das einzige Bundesland,
in dem die SPD zulegen
konnte.
Wer ist denn Schuld am blauen Auge?
Melior: Diejenigen, die nicht wählen
gegangen sind. Die Reputation der SPD
in Brandenburg und in Potsdam-Mittelmark
ist hoch. Das, was wehtut, ist das
schlechte Ergebnis für die SPD auf der
Bundesebene.
Und was sind die Lehren aus dem Wahldebakel
der deutschen Sozialdemokraten
für die Mitglieder des Unterbezirkes
Potsdam-Mittelmark?
Melior: Das enttäuschende Ergebnis
wird bei uns ganz klar und offen diskutiert.
Wir sind weit davon entfernt,
etwas schönreden zu wollen. Wenn man
insgesamt die Frage stellt, warum die
Wahlbeteiligung so gering war, muss
man feststellen, es ist uns nicht gelungen,
Europa so positiv darzustellen, wie
es ist. Das soziale Europa wird weniger
wahrgenommen, es ist aber für die Menschen
sehr wichtig. Ältere verstehen die
Bedeutung der langen Friedensphase
viel besser, das haben zahlreiche Begegnungen
in Seniorenheimen gezeigt.
Sie sagen, Norbert Glante hat sehr viel
Wahlkampf gemacht.
Im Fläming war er
nicht zu sehen, wieso?
Melior: Dazu muss man einfach wissen,
dass der Wahlkreis sehr groß ist, er
umfasst das ganze Land Brandenburg.
Er hat sehr viele Termine gemacht, viele
Menschen waren sehr interessiert, die in
seine Foren gingen. Was mir gut gefällt
ist, dass junge Menschen ganz anders
und aufgeschlossener Europa gegenüber
sind. Die Erasmus-Programme beispielsweise,
werden intensiv genutzt. Da
findet Europa wirklich statt. Ich habe
die Hoffnung, dass Europa deshalb
künftig stärker gelebt wird.
Und dass sich die Wahlbeteiligung dann
auch verbessert?
Melior: Die jungen Menschen werden
darauf einen Einfluss haben. Der Frieden
ist eine große Errungenschaft von
Europa, die mehr in den Vordergrund
gestellt werden muss.
Das schlechte Abschneiden der SPD hat
die Diskussion um die Eignung Frank-
Walter Steinmeiers als Kanzlerkandidat
wieder neu entfacht. Auch in Ihrem
Unterbezirk?
Melior: Die Debatte ist in den Medien
und Teilen der Bevölkerung entbrannt.
In der SPD nicht und nicht im Unterbezirk
Potsdam-Mittelmark. Wir stehen zu
Frank-Walter Steinmeier, er ist unser
Kandidat, die Diskussion darüber wird
bei uns nicht geführt. Er wurde von uns
fast hundertprozentig nominiert und ist
unser Kandidat.
Das klingt ungeachtet der derzeit
schlechten Umfragewerte sehr überzeugt.
Melior: Wir sind froh, Frank-Walter
Steinmeier zu haben. Er ist nah an den
Menschen dran und kennt ihre Sorgen.
Viele sind von ihm begeistert. Er redet
mit den Bürgern und ist sehr berechenbar.
Steinmeier wird auch mit unserer
Unterstützung Bundeskanzler werden,
wir sind sicher, dass er der richtige Kandidat
ist.
Auch wenn er als Außenminister ins
Wirtschaftsressort eingreift und viel
Steuergeld in die Opelrettung fließen
lässt?
Melior: Ich finde die Opelrettung richtig
und die SPD findet das auch richtig.
Er sichert Arbeitsplätze in der Krise.
Ist das nicht eher Wahlkampf als ehrliches
Engagement?
Melior: Ich sehe das als ehrliches Engagement,
da hängen viele Arbeitsplätze,
auch in den neuen Bundesländern, dran.
Gibt es nach Ihrer Kenntnis auch im
Kreis wirtschaftliche Sorgenkinder, die
bald ministerielle Hilfe bräuchten?
Melior: Wir haben ja gottseidank eine
eher kleinteilige Wirtschaftsstruktur.
Der Mittelstand hier ist sehr gut aufgestellt.
Bislang ist die Krise in der Region
zum Glück nicht zu spüren. Ich sehe im
Moment keine Gefahr. Unsere Sorgenkinder
sind allerdings die Milchbauern.
Die Milchquoten der EU drücken die
Preise.
Ist das nicht ein Argument für die EU-Gegner,
die es unter den Landwirten im
Kreis sicher gibt?
Melior: Wenn wir wieder die Kleinstaaterei
hätten, dann hätten wir doch noch
viel größere Probleme. Früher gab es
den Butterberg der EG, heute gibt es den
Milchsee der EU. Für meine Begriffe
gehört ein bisschen mehr Mut der Verantwortlichen
in Brüssel dazu, die Dinge
zu regeln und dann auch einzuhalten.
Die Landwirtschaft ist auf alle Fälle ein
wichtiges Thema in Potsdam-Mittelmark.
Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit
dem neuen Landrat Wolfgang Blasig,
der ja ein Parteifreund von Ihnen ist?
Melior: Da sind wir richtig happy. Es
macht großen Spaß, Dinge mit ihm voranzutreiben.
Wir haben ja auch den ehemaligen
Landrat Lothar Koch in unserer
Fraktion mit seinen reichhaltigen
Erfahrungen. Wolfgang Blasig ist
immer präsent in unseren Fraktionssitzungen,
es ist ein gutes und fröhliches
Arbeiten mit ihm, das finden auch die
anderen Fraktionsmitglieder.
Auch, wenn der Landrat die Kreisumlage
erhöhen möchte?
Melior: Wir sind uns alle einig darüber,
dass es keine Erhöhung der Kreisumlage
geben wird. Der Landkreis ist
finanziell richtig gut aufgestellt. Wir
haben gottseidank eine Rücklage, die ist
für solche Zeiten da. Wir müssen jetzt
sehen, dass wir nicht zuviel ausgeben.
Eine stabile Kreisumlage ist mehr wert,
als ein ständiges Auf und Ab. Wir haben
im vergangenen Jahr der Absenkung
zugestimmt, weil unser Koalitionspartner
CDU es so wollte, aber auf Dauer ist
Stabilität der bessere Weg. Wir haben
durch die Kreisumlage, obwohl sie
lange gleichgeblieben ist, eine stetige
Steigerung der Einnahmen gehabt, so
um die zwei bis drei Millionen Euro pro
Jahr. Einige berlinnahe Kommunen im
Landkreis haben sehr viel Zuwachs. Für
2010 sehe ich keine Notwendigkeit, eine
Diskussion um die Kreisumlage zu führen.
Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Fläming Echo vom 12. Juni 2009
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